Marl
Marl, Germany

Schürfgruben in Marl: Geotechnische Aufschlüsse für belastbare Baugrundmodelle

Im nördlichen Ruhrgebiet, wo der Boden oft mehr Geschichte als Tragfähigkeit mitbringt, sehen wir bei Baugrunduntersuchungen in Marl immer wieder dasselbe Bild: Auffüllungen aus der Bergbauzeit, darunter verwitterte Kreidemergel oder sandig-kiesige Terrassenablagerungen der Lippe. Wer auf diesen heterogenen Schichten ein Bauvorhaben plant, braucht nicht nur Zahlen vom Papier, sondern einen echten Blick in den Untergrund. Genau hier setzt die Schürfgrube als direktes Aufschlussverfahren an. Anders als bei einer reinen SPT-Bohrung ermöglicht der baggerseitig hergestellte Schurf eine flächige Beurteilung von Schichtgrenzen, Einlagerungen und der Konsistenz bindiger Böden – ein Vorteil, den wir in den wechselhaften Marler Baugrundverhältnissen regelmäßig nutzen, um Streifenfundamente oder Bodenplatten sicher zu dimensionieren.

Eine Schürfgrube liefert in Marl mehr als ein Bohrprofil: Sie zeigt die wahre Geometrie von Auffüllungen und Verwitterungszonen, die für die Gründungsentscheidung ausschlaggebend sind.

Leistungsmerkmale in Marl

Ein typisches Projekt in der Stadtmitte von Marl zeigt, worauf es ankommt: Für den Neubau eines Mehrfamilienhauses mit Tiefgarage standen wir vor einer mehrere Meter mächtigen Auffüllung mit Bauschutt und Schlacke, unterlagert von stark verwittertem Mergelstein. Eine Rammkernbohrung hätte lediglich punktuelle Informationen geliefert, während der 4 Meter tiefe Schurf die laterale Ausdehnung einer lockeren Kieslinse direkt im Bereich der geplanten Bodenplatte offenlegte. Solche Befunde verändern die Gründungsempfehlung fundamental. In Kombination mit dem Plattendruckversuch auf der Schurfsohle lassen sich Verformungsmodul und Bettungsmodul direkt am gewachsenen Boden ermitteln – ein Verfahren, das wir bei setzungsempfindlichen Bauwerken in Marl standardmäßig einsetzen, um die Wirtschaftlichkeit von Bodenaustauschmaßnahmen prüfen zu können.
Schürfgruben in Marl: Geotechnische Aufschlüsse für belastbare Baugrundmodelle
Schürfgruben in Marl: Geotechnische Aufschlüsse für belastbare Baugrundmodelle
ParameterTypischer Wert
Maximale Aufschlusstiefe (Standardbagger)bis 4,5 m unter GOK
Probenentnahme gestört (Eimerprobe)je Schicht 20–30 kg
Probenentnahme ungestört (Ausstechzylinder)Ø 100 mm, h = 100 mm
Dokumentation nach DIN EN ISO 14688fotografisch, zeichnerisch, Schichtenverzeichnis
Arbeitsraumbreite für Baggermin. 3,5 m
Beurteilte Kennwerte (bindig)Konsistenz, Plastizität, organoleptische Ansprache
Beurteilte Kennwerte (nichtbindig)Lagerungsdichte, Kornrundung, Feinkornanteil
Einbindung in Homogenbereichegemäß VOB/C DIN 18300 bzw. DIN 18301

Typische technische Herausforderungen in Marl

Die geologischen Karten für Marl zeigen flächendeckend quartäre Lockergesteine über Kreide, doch die Realität im Baufeld ist oft eine andere: anthropogene Auffüllungen mit Mächtigkeiten zwischen 1 und 6 Metern, die im Zuge der Industrialisierung und des Bergbaus entstanden sind. Diese Böden sind nicht nur setzungsanfällig, sondern können auch sulfathaltige oder quellfähige Bestandteile enthalten, die Beton angreifen. Wird auf einen qualifizierten Schurf verzichtet und stattdessen nur mit Altbohrungen oder Kartenmaterial gearbeitet, übersieht man schnell lokale Weichzonen oder alte Kellerverfüllungen. Die Folge sind unerwartete Mehrmassen beim Aushub, Nachtragsforderungen vom Erdbauunternehmen und im schlimmsten Fall Setzungsrisse am aufgehenden Bauwerk, weil die Gründung nicht an den tatsächlichen Schichtaufbau angepasst wurde.

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Anwendbare Normen: DIN 4020: Geotechnische Untersuchungen für bautechnische Zwecke, Eurocode 7 (DIN EN 1997-2): Erkundung und Untersuchung des Baugrunds, DIN EN ISO 14688: Benennung, Beschreibung und Klassifizierung von Boden, VOB/C DIN 18300: Erdarbeiten (Homogenbereiche nach Hauptgruppe 2), DIN 4124: Baugruben und Gräben – Böschungen, Verbau, Arbeitsraumbreiten

Unsere Leistungen

Unser geotechnisches Leistungsspektrum in Marl umfasst die baggerseitige Schurfanlage ebenso wie die fachgutachterliche Begleitung mit Probenahme und Laboranalyse. Je nach Fragestellung kombinieren wir den Schurf mit weiteren Feld- und Laborversuchen.

Schürfanlage mit geotechnischer Bauleitung

Wir übernehmen die Einweisung des Baggerfahrers, die kontinuierliche Bodenansprache nach DIN EN ISO 14688, die horizontierte Beprobung aller angetroffenen Schichten sowie die abschließende Schurfdokumentation mit bemaßtem Foto und Schichtenverzeichnis. Die Arbeitssicherheit nach DIN 4124 ist dabei integraler Bestandteil.

Probenahme und bodenmechanische Laborversuche

Aus dem Schurf entnehmen wir gestörte Proben für die Bestimmung der Kornverteilung und der Zustandsgrenzen sowie ungestörte Zylinderproben für den Triaxialversuch. Unser begleitendes Labor ist nach DIN EN ISO 17892 für die relevanten Prüfverfahren qualifiziert, sodass Kennwerte belastbar in das Baugrundmodell einfließen.

Gängige Fragen

Was kostet eine Schürfgrube mit geotechnischer Begleitung in Marl?

Für eine maschinelle Schürfgrube bis etwa 4 m Tiefe, inklusive baubegleitender Bodenansprache, Probenahme und Fotodokumentation, liegen die Kosten in Marl je nach Zugänglichkeit und Umfang der Laborversuche zwischen €470 und €830. Der Preis variiert mit der Anzahl der zu beprobenden Homogenbereiche und dem erforderlichen Aufwand für die Baggerlogistik vor Ort.

Wie tief kann eine Schürfgrube in Marl ausgeführt werden?

Mit einem Standard-Mobilbagger erreichen wir in Marl üblicherweise 4,0 bis 4,5 Meter unter Geländeoberkante. Bei größeren Tiefen muss geböscht oder verbaut werden, was die Arbeitsraumbreite erhöht. Für tieferreichende Aufschlüsse setzen wir ergänzend Bohrverfahren ein, die dann gezielt auf die im Schurf identifizierten Schichtgrenzen abgestimmt werden.

Welche Bodenarten treten in Marl typischerweise auf?

In Marl dominieren quartäre Sande und Kiese der Lippe-Niederterrasse sowie Geschiebelehme über kreidezeitlichem Mergel. Prägend sind jedoch die bergbaulichen und industriellen Auffüllungen des 20. Jahrhunderts, die Schlacken, Ziegelbruch und umgelagerte Böden enthalten. Die genaue Zusammensetzung dieser künstlichen Schichten lässt sich zuverlässig nur durch einen Schurf klären.

Kann ich die Schürfgrube für die Versickerungsbemessung nutzen?

Ja, der offene Schurf eignet sich hervorragend für die direkte Entnahme ungestörter Proben zur Bestimmung der Wasserdurchlässigkeit im Labor oder für den Einbau eines Feldversickerungsversuchs. In Kombination mit der Kornanalyse erhalten Sie die kf-Werte, die das DWA-Arbeitsblatt 138 für die Dimensionierung von Versickerungsanlagen fordert.

Abdeckung in Marl