Marls bauliche Entwicklung ist untrennbar mit dem Bergbau verbunden. Die Stadt im nördlichen Ruhrgebiet, geprägt durch die Zeche Auguste Victoria und die Chemieindustrie im Chemiepark Marl, steht heute vor einer doppelten geotechnischen Herausforderung: Alte Grubenbaue durchziehen den Untergrund, während gleichzeitig die quartären Lockersedimente der Emscher- und Lippe-Terrassen unterhalb des Grundwasserspiegels liegen. Diese sandig-kiesigen Ablagerungen in Verbindung mit einem hohen Grundwasserstand – typisch für die Region um die Lippe mit ihren Auenlehmschichten – machen eine Bodenverflüssigungsanalyse bei jedem größeren Bauvorhaben in Marl unverzichtbar. Ob für die Nachverdichtung auf dem ehemaligen Zechengelände oder den Neubau von Produktionsanlagen: Die Bewertung des Verflüssigungspotenzials sichert die Standsicherheit langfristig ab.
Die Verflüssigungsgefahr in Marl resultiert nicht allein aus tektonischer Seismizität, sondern maßgeblich aus induzierten Erschütterungen durch Grubenwasseranstieg und Bodenbewegungen im Altbergbau.
Leistungsmerkmale in Marl

Typische technische Herausforderungen in Marl
Ein klassischer Fehler in der Region Marl ist die Annahme, dass außerhalb der offiziellen Erdbebenzone 2 keine Verflüssigungsgefahr besteht. Planer verlassen sich auf die makroseismische Einstufung nach DIN 4149 und übersehen dabei die bergbauinduzierte Mikroseismizität. Besonders im Bereich der ehemaligen Abbaugrenzen und entlang der Hauptverwerfungen wie dem Vestischen Hauptsprung können Spannungsumlagerungen Erschütterungen auslösen, die in wassergesättigten Sanden Porenwasserüberdrücke aufbauen. Versäumnisse in der Bodenverflüssigungsanalyse führen hier zu massiven Setzungen, Grundbruch oder – im Extremfall – zum völligen Verlust der Tragfähigkeit. Die Sanierung solcher Schäden übersteigt die Kosten einer frühzeitigen Untersuchung um ein Vielfaches und gefährdet die Betriebssicherheit von Industrieanlagen im Chemiepark nachhaltig.
Unsere Leistungen
Die Bewertung der Bodenverflüssigung in Marl erfordert ein abgestimmtes Untersuchungsprogramm, das Feldaufschlüsse, Laborversuche und numerische Simulation kombiniert. Die folgenden Leistungen bilden das methodische Rückgrat einer normkonformen Analyse:
SPT- und CPT-gestützte Feldkampagne
Ermittlung der Lagerungsdichte und des Penetrationswiderstands in den potenziell verflüssigungsgefährdeten Schichten. Die Sondierungen erfolgen rasterförmig über das Baufeld, um laterale Inhomogenitäten der quartären Sande und Kiese zu erfassen.
Zyklische Labortests an ungestörten Proben
Bestimmung des Porenwasserüberdruckverhaltens und der Verflüssigungsneigung unter realitätsnahen Lastzyklen. Die Versuche liefern die Eingangsparameter für die numerische Simulation des Baugrundverhaltens.
Numerische Verflüssigungsanalyse und Setzungsprognose
Kopplung von Finite-Elemente-Modellen mit den Laborergebnissen zur Berechnung des Verflüssigungspotenzials. Ausgabe von CSR/CRR-Verhältnissen und zu erwartenden Setzungen für verschiedene Bemessungsszenarien.
Gängige Fragen
Ist eine Bodenverflüssigungsanalyse in Marl gesetzlich vorgeschrieben?
Nach DIN EN 1998-5 in Verbindung mit der Baugrundnorm DIN 1054 ist eine Untersuchung immer dann erforderlich, wenn wassergesättigte Lockergesteine bis 20 m Tiefe anstehen und eine seismische Gefährdung – in Marl auch durch induzierte Seismizität – vorliegt. Die Bauaufsicht kann die Vorlage eines Verflüssigungsnachweises fordern.
Welche Bodenarten sind in Marl besonders verflüssigungsgefährdet?
Die quartären Sande und schluffigen Sande der Emscher- und Lippeterrassen sowie fluviatile Ablagerungen mit geringem Feinkornanteil. Entscheidend ist die Kornverteilung: Gleichförmige, locker gelagerte Mittelsande mit einem Ungleichförmigkeitsgrad Cu < 3 sind am kritischsten.
Mit welchen Kosten muss man für eine Verflüssigungsanalyse in Marl rechnen?
Je nach Baufeldgröße und Erkundungstiefe liegen die Kosten in Marl zwischen €2.000 für eine orientierende Untersuchung mit SPT-Bohrungen und zyklischen Versuchen und bis zu €3.840 für eine umfassende Analyse mit CPT, numerischer Simulation und detailliertem Geotechnischen Bericht.
Welche Folgen hat eine Nichtberücksichtigung der Verflüssigungsgefahr in Marl?
Im Schadensfall drohen differentielle Setzungen, die zu Rissen in der Bausubstanz und Funktionsausfällen bei Produktionsanlagen führen. Der Verlust der Lagestabilität von Gründungen unter seismischer Einwirkung ist ein versicherungsrelevanter Mangel nach VOB/C. Mehr Info.