Bei einer Baugrubensicherung an der Marler Straße, unweit vom Chemiepark, stießen wir in vier Metern Tiefe auf eine völlig aufgelockerte Sand-Kies-Schicht mit eingelagerten Schlufflinsen – typisch für die quartären Ablagerungen der Emscherzone. Der Bauherr wollte auf eine konventionelle Unterfangung setzen, aber das hätte bei dem lockeren Gefüge nicht gehalten. Unser Team hat stattdessen eine Injektionsbemessung für ein Zement-Silikat-Gemisch durchgerechnet, die den Porenraum gezielt füllt und gleichzeitig die innere Reibung des Komgerüsts erhöht. In Marl mit seinen rund 84.000 Einwohnern und der jahrzehntelangen Bergbaugeschichte sind solche Überraschungen im Untergrund eher die Regel als die Ausnahme. Wer hier ohne vorherige Baugrunderkundung gründet, geht ein Risiko ein, das sich mit einer sauberen Injektionsplanung komplett vermeiden lässt. Gerade wenn später eine CPT-Sondierung die räumliche Ausdehnung der Schwachzone genauer abgrenzen muss, liefert unsere Bemessung die hydraulischen Randbedingungen gleich mit.
Eine durchdachte Injektionsbemessung verhindert, dass das Verpressgut unkontrolliert abfließt – wir legen für jeden Bodenhorizont die Grenzdrücke nach DIN EN 12715 fest.
Leistungsmerkmale in Marl

Typische technische Herausforderungen in Marl
Ein Problem, das wir in Marl immer wieder beobachten: Viele Planer unterschätzen den Einfluss von Altenbergbau und Tagesbrüchen auf die Druckausbreitung beim Injizieren. In den Bereichen, wo früher untertägig Kohle abgebaut wurde – und das betrifft große Teile des Stadtgebiets südlich der Lippe –, können Verpressgüter unkontrolliert in alte Hohlräume abfließen, ohne den umgebenden Boden zu verbessern. Unsere Bemessung kalkuliert deshalb von vornherein ein gestaffeltes Injektionssystem mit variablen Abbruchkriterien: Sobald das vorgegebene Volumen pro Lafe erreicht ist, wird der Verpressdruck gehalten und nicht weiter gesteigert, bis die Gelzeit einsetzt. Ohne diese lokale Anpassung riskiert man Materialverluste von über 30 % und eine ungleichmäßige Baugrundverbesserung. Im schlimmsten Fall entstehen hydraulische Kurzschlüsse, die später Setzungsdifferenzen unter der Gründung auslösen.
Unsere Leistungen
Unsere Injektionsbemessung deckt alle relevanten Verfahren ab, die im Marler Baugrund erforderlich sind. Von der ersten Baugrunderkundung bis zur Ausführungsplanung arbeiten wir Hand in Hand mit dem ausführenden Spezialtiefbauunternehmen.
Poreninjektion (Permeation)
Wir legen die Rezeptur des Injektionsguts so aus, dass es den Porenraum des Bodens vollständig durchdringt, ohne das Korngefüge zu verschieben. Anwendung bei rolligen Böden mit kf > 10⁻⁴ m/s.
Bodenvermörtelung (Soilcrete)
Dimensionierung von Düsenstrahlverfahren (HDI) zur Herstellung von Vermörtelungskörpern. Besonders geeignet für die nachträgliche Unterfangung von Bestandsgebäuden in den Bergsenkungszonen Marls.
Abdichtungsinjektion
Planung von Verpressschirmen und -sohlen mittels Acrylatgel oder Zementleim. Wir berechnen die erforderliche Injektionsdichte für Baugruben im Grundwasser der Lippeaue.
Gängige Fragen
Welche Injektionsverfahren sind für den Baugrund in Marl am besten geeignet?
Das hängt stark vom jeweiligen Bodenhorizont ab. In den sandigen Lippeablagerungen setzen wir bevorzugt auf Feinstzement- oder Silikatgelinjektionen, weil diese auch bei geringer Durchlässigkeit (kf ≈ 10⁻⁵ m/s) noch zuverlässig eindringen. In den Geschiebemergeln im Norden Marls bewährt sich dagegen das Düsenstrahlverfahren, da hier eine Vermörtelung des Bodens nötig ist, um ausreichende Festigkeiten zu erreichen.
Was kostet eine Injektionsbemessung für ein Einfamilienhaus in Marl?
Für ein typisches Einfamilienhausprojekt mit einer zu verbessernden Fläche von etwa 80 bis 120 m² liegt der Aufwand für die geotechnische Bemessung der Injektion zwischen €1.020 und €4.220, abhängig vom Umfang der vorausgehenden Baugrunderkundung und der Anzahl der zu dimensionierenden Injektionskörper.
Wie läuft die Planung einer Baugrundinjektion ab?
Zuerst erfolgt eine detaillierte Baugrunderkundung mit Rammkernsondierungen und im Labor eine Sieblinienbestimmung. Aus diesen Daten leiten wir ein Bodenmodell ab und wählen das Injektionsmittel aus. Dann berechnen wir Verpressdruck, Injektionsvolumen pro Lafe und die erwartete Festigkeitssteigerung. Die Ergebnisse dokumentieren wir in einem Ausführungsplan, der als Grundlage für das Spezialtiefbauunternehmen dient.
Wie lange dauert es, bis der Boden nach der Injektion belastbar ist?
Bei Zementleiminjektionen ist nach etwa 7 Tagen eine ausreichende Frühfestigkeit erreicht, die Endfestigkeit stellt sich je nach Zementart nach 28 Tagen ein. Bei Silikatgelen hängt die Abbindezeit von der gewählten Rezeptur ab – wir können die Gelzeit zwischen 10 und 120 Minuten einstellen, sodass bereits nach wenigen Stunden weitergearbeitet werden kann.