Marls Untergrund trägt die Spuren des Bergbaus: Bis zur Stilllegung der Zeche Auguste Victoria im Jahr 2015 hat der Steinkohleabbau das Deckgebirge über Jahrhunderte verändert. Heute steht die Stadt vor der Aufgabe, auf diesen teils setzungsempfindlichen, teils verkarsteten Böden erdbebensicher zu bauen. Die Erdbebenisolationsbemessung setzt genau hier an: Sie trennt das Bauwerk vom Untergrund durch ein mechanisch definiertes Filtersystem, das seismische Energie umlenkt, bevor sie in die Tragstruktur einwandert. In Marl arbeiten wir mit einem Ansatz, der die lokale Geologie des Münsterländer Kreidebeckens berücksichtigt und die Bemessung nach DIN EN 1998-1 mit standortspezifischen Bodenkennwerten aus dem CPT-Versuch und der Korngrößenanalyse verknüpft. So entsteht ein seismisches Paket, das rechnerisch prüfbar und baupraktisch umsetzbar ist.
Ein korrekt bemessenes Isolationssystem senkt die Stockwerksbeschleunigung um 60 bis 80 Prozent – das schützt nicht nur die Tragstruktur, sondern auch die technische Gebäudeausrüstung.
Leistungsmerkmale in Marl

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Typische technische Herausforderungen in Marl
Vergleicht man die Gewerbezone Marl-Frentrop mit dem Wohnviertel Hüls-Süd, treten zwei grundverschiedene Baugrundprofile zutage: Frentrop steht auf sandig-kiesigen Terrassenablagerungen mit steifer Konsistenz, während Hüls-Süd von weichen Auelehmen und Torflinsen durchzogen ist, die bei dynamischer Anregung zur Porenwasserüberdruckentwicklung neigen. Eine konventionelle Gründung ohne seismische Isolation würde in Hüls-Süd bei einem Bemessungserdbeben Setzungsdifferenzen im Zentimeterbereich erzeugen, die Rissbilder in aussteifenden Wandscheiben nach sich ziehen. Die Erdbebenisolationsbemessung entschärft dieses Risiko, indem sie die Bauwerksbewegung von der Bodenverformung entkoppelt. In Frentrop hingegen genügt oft ein abgestuftes Konzept mit geringerer Isolatorverschiebung, weil der Baugrund steifer reagiert – ein klarer Fall für eine standortdifferenzierte Bemessung, die wir für jedes Bauvorhaben in Marl individuell auslegen.
Unsere Leistungen
Unser Leistungspaket zur Erdbebenisolationsbemessung deckt den gesamten Planungsprozess ab – von der ersten seismischen Gefährdungsbeurteilung bis zur baubegleitenden Qualitätssicherung der Isolatoren.
Seismische Gefährdungsanalyse & Spektrenermittlung
Standortspezifische Ermittlung des elastischen Antwortspektrums nach DIN EN 1998-1/NA unter Einbeziehung regionaler Kartenwerke und eigener Baugrunduntersuchungen. Wir berücksichtigen die tektonische Situation am Nordrand des Rheinischen Schiefergebirges.
Nichtlineare Zeitverlaufsberechnung (NLTHA)
Numerische Simulation des Bauwerksverhaltens unter seismischer Belastung mit kalibrierten Boden-Bauwerk-Modellen. Die Berechnung liefert die erforderliche Isolatorverschiebung, Stockwerksbeschleunigungen und Schnittgrößen für die Bemessung.
Isolator-Auslegung & Qualitätssicherung
Dimensionierung der Isolationslager nach DIN EN 15129, Erstellung von Leistungsverzeichnissen für die Ausschreibung und baubegleitende Kontrolle der Einbauparameter direkt auf der Baustelle in Marl.
Gängige Fragen
Welche Bauwerke in Marl profitieren am meisten von einer Erdbebenisolationsbemessung?
Krankenhäuser, Rechenzentren, Laborgebäude und Hochregallager sind klassische Kandidaten, weil hier nicht nur die Tragsicherheit, sondern auch die Funktionsfähigkeit nach einem Erdbeben gewährleistet sein muss. Aber auch Wohnhochhäuser mit empfindlicher Haustechnik oder Brücken mit hohen Pfeilern rechtfertigen den Mehraufwand. Entscheidend ist die Kombination aus Bauwerksbedeutungskategorie nach DIN EN 1998-1 und der lokalen Bodenklasse: In den weichen Auelehmen entlang der Lippe ist die Wirksamkeit einer Basisisolierung besonders hoch.
Mit welchen Kosten muss ich für eine Erdbebenisolationsbemessung in Marl rechnen?
Für eine vollständige Bemessung inklusive Gefährdungsanalyse, numerischer Simulation und Ausführungsplanung liegen die Honorare je nach Bauwerksgröße und Komplexität zwischen €3.520 und €8.240. Darin enthalten sind die statischen Nachweise, die Spezifikation der Isolatoren und die baubegleitende Qualitätssicherung. Zusätzliche Baugrunderkundungen werden separat abgerechnet.
Wie unterscheidet sich die Basisisolierung von einer konventionellen erdbebensicheren Aussteifung?
Die konventionelle Aussteifung arbeitet mit Stahlbetonwandscheiben und Rahmentragwerken, die seismische Energie aufnehmen und durch plastische Verformung abbauen – das Bauwerk wird dabei bewusst beschädigt. Die Basisisolierung entkoppelt das Bauwerk vom Untergrund und hält die Beanspruchung im elastischen Bereich, sodass keine Schädigung auftritt. Zudem reduziert sie die Beschleunigungen in den Obergeschossen drastisch, was für sensible Einbauten wie Serverracks oder medizinische Geräte entscheidend ist.
Welche Rolle spielen die ehemaligen Bergbauflächen in Marl bei der Erdbebenisolierung?
Die bergbauliche Vorgeschichte ist ein zentraler Faktor. Alte Schachtanlagen und Strecken können die Steifigkeit des Deckgebirges lokal verändern und zu Hohlraumresonanzen führen. Wir beziehen die Grubenbilder der ehemaligen Zeche Auguste Victoria und aktuelle Senkungsdaten in das Baugrundmodell ein. In Zonen mit nachgewiesenen Tagesbrüchen empfehlen wir zusätzlich eine geophysikalische Vorerkundung mit seismischer Refraktion, bevor das Isolationssystem bemessen wird.