In Marl beobachten wir immer häufiger, dass auf verdichteten innerstädtischen Restflächen oder an Hangkanten zum Lippe-Tal in die Tiefe gegangen wird. Wer hier eine Baugrube sichert oder einen Hang dauerhaft stabilisiert, braucht eine präzise Verankerungsbemessung, die den örtlichen Baugrund ernst nimmt. Das Bergsenkungsgebiet nördlich des Chemieparks hat seine eigene Tektonik, und der schluffige Mergel unter der dünnen Sandauflage reagiert empfindlich auf Lastumlagerungen. Mit unserer Stützmauer-Bemessung kombinieren wir die Ankerauslegung oft zu einem ganzheitlichen Verbausystem. Ob temporäre Baugrubenanker nach DIN EN 1997-1 oder dauerhafte Hangvernagelungen – die Bemessung muss Kriechneigung, Grundwasserhorizonte und die tatsächliche Mantelreibung im anstehenden Emscher-Mergel realistisch abbilden, nicht nur Tabellenwerte aus dem Lehrbuch.
Die Tragfähigkeit eines Ankers im Emscher-Mergel entscheidet sich oft nicht im Labor, sondern im Kriechversuch vor Ort – wer darauf verzichtet, übernimmt die volle Haftung für eine Annahme.
Leistungsmerkmale in Marl

Typische technische Herausforderungen in Marl
Die Bodenverhältnisse in Marl sind ein Zweifrontenproblem: Im Norden drückt das Grundwasser des Lippe-Tals in die quartären Sande, im Süden steht der Emscher-Mergel an, dessen Klüftung und Wasserwegigkeit schwer vorhersehbar sind. Ein unzureichend bemessener Anker in einem wasserführenden Horizont kann innerhalb weniger Wochen Korrosionsschäden entwickeln oder durch Porenwasserüberdrücke seine Vorspannkraft verlieren. Bei temporären Baugrubenankern im innerstädtischen Bereich kommt hinzu, dass Nachbarbebauung und Leitungsbestand die Ankerlänge begrenzen – zu kurze Anker, die nicht hinter den Gleitkeil reichen, sind wirkungslos. Wir sehen regelmäßig, dass Bauherren die Prüfkosten scheuen und nur eine reduzierte Anzahl Eignungsprüfungen durchführen lassen. Gerade im heterogenen Mergel ist das ein Glücksspiel, das im Schadensfall schnell sechsstellige Summen kostet.
Unsere Leistungen
Unsere Bemessungsleistung für Verankerungen in Marl deckt den gesamten Planungs- und Ausführungsprozess ab – von der ersten Machbarkeitsstudie bis zur Abnahmeprüfung auf der Baustelle:
Vorbemessung und Machbarkeit
Abschätzung der erforderlichen Ankerlängen, Kraftebenen und Verpressstrecken auf Basis der Baugrundaufschlüsse und des geplanten Aushubkonzepts. Klärung von Leitungsbestand und Nachbarrechten vor der Detailplanung.
Statische Bemessung nach EC7
Vollständige Standsicherheitsnachweise für aktive und passive Ankersysteme in den Grenzzuständen GEO-2 und GEO-3. Berücksichtigung von Kriechverhalten, Grundwasserganglinien und Erdbebenlasten nach DIN EN 1998-5.
Ausführungsplanung und Prüfprogramm
Erstellung der Ankerliste, Detailzeichnungen für Ankerkopfausbildung und Lasteinleitung, Festlegung des Prüfprogramms mit Anzahl und Lage der Eignungs-, Abnahme- und Kontrollprüfungen.
Prüfbegleitung und geotechnische Bauüberwachung
Ingenieurtechnische Begleitung der Ankerarbeiten, Auswertung der Kriechversuche und Abnahmeprüfungen, Bewertung der Ist-Tragfähigkeit gegenüber der Bemessungsprognose, Freigabe der Ankerplatten.
Gängige Fragen
Was kostet die Bemessung einer Verankerung in Marl?
Für die ingenieurtechnische Bearbeitung einer Ankerbemessung – von der Vordimensionierung über die statische Berechnung bis zur Ausführungsplanung – liegen die Honorare je nach Projektumfang meist zwischen €900 und €3.560. Kleinere Maßnahmen mit wenigen Ankerlagen und überschaubarem Prüfprogramm bewegen sich am unteren Ende, komplexe Daueranker mit Kriechnachweisen und Sondervorschlägen entsprechend darüber.
Wann brauche ich einen aktiven, wann einen passiven Anker?
Aktive Anker setzen wir ein, wenn Verformungen minimiert werden müssen – etwa bei rückverankerter Nachbarbebauung oder tiefen Baugruben im Stadtgebiet. Sie werden vorgespannt und nehmen die Last sofort auf. Passive Anker (Nägel) wirken erst bei eintretender Verformung und eignen sich für Hangsicherungen oder Baugruben, wo geringe Verschiebungen tolerierbar sind. Die Entscheidung hängt vom Verformungsempfinden der Umgebung und vom Bruchmechanismus ab.
Welche Prüfungen sind bei Verpressankern vorgeschrieben?
Die DIN EN 1537 und die ergänzende DIN SPEC 18537 fordern Eignungsprüfungen (vor Beginn der Ankerarbeiten an repräsentativen Probankern), Abnahmeprüfungen an jedem Anker und je nach Projekt zusätzliche Kontrollprüfungen während der Standzeit. Kern der Eignungsprüfung ist der Kriechversuch, bei dem die Kriechrate unter konstanter Last gemessen wird. Nur wenn diese unter dem normativen Grenzwert bleibt, gilt der Anker als kriechunempfindlich.
Wie tief müssen Anker in den Emscher-Mergel einbinden?
Die erforderliche Einbindetiefe hängt von der geforderten Ankerkraft, dem Verwitterungsgrad des Mergels und dem gewählten Verpressverfahren ab. Im steifen bis halbfesten Mergel, wie er in Marl südlich der Lippe ansteht, erreichen wir bei Nachverpressung mit Zementsuspension Mantelreibungswerte, die deutlich über den Tabellenwerten der DIN 1054 liegen können. Entscheidend ist, dass die Verpressstrecke vollständig im unverwitterten, nicht klüftigen Horizont liegt – das prüfen wir anhand der Bohrkernansprache der Baugrundaufschlüsse.
Müssen Daueranker anders bemessen werden als temporäre Anker?
Ja, und zwar grundlegend. Daueranker benötigen einen doppelten Korrosionsschutz (Klasse I nach DIN EN 1537), die Bemessung muss Dauerhaftigkeitsaspekte über die gesamte Nutzungsdauer berücksichtigen, und die zulässige Stahlspannung ist niedriger anzusetzen als bei Kurzzeitankern. Außerdem sind die Prüfanforderungen strenger: Jeder Daueranker wird einer Abnahmeprüfung mit erhöhter Prüflast unterzogen, und das Kriechmaß muss dauerhaft unter dem Grenzwert bleiben. Temporäre Baugrubenanker, die nach sechs Monaten wieder ausgebaut werden, sind in dieser Hinsicht weniger aufwendig. Mehr Info.